Bürgerbrief Gemeinde Vierhöfen
03. März 2011 0 KommentareSehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,
die SPD Vierhöfen möchte Sie aus aktuellem Anlass über die Planung der neuen Autobahn A 21 informieren, die – wenn sie realisiert wird – unser Dorf, unsere intakte Natur und unsere Lebensqualität entscheidend verändern würde. Schon seit längerer Zeit ist der Bau einer neuen Autobahnumgehung im Osten Hamburgs in den verkehrspolitischen Planungen des Bundes und der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen eine feste Größe. Hierbei handelt
es sich um eine Autobahnverbindung zwischen
- der A 1 (Anschluss Bargteheide) und der A 24 (Anschluss Schwar-zenbek),
- mit einer neuen Elbquerung bei Geesthacht,
- über die ausgebaute B 404 bis zur A 39 (ehemals A 250 - Handorf).
- Von dort eine Weiterführung bis zur A 7 mit einer Anbindung im Raum der Samtgemeinde Salzhausen zwischen Toppenstedt und Egestorf (siehe Planskizze).
Das Verkehrsaufkommen wird laut einem Gutachten der Industrie- und Han-delskammern auf 35.000 Kfz täglich geschätzt. Die Kosten für die A 21 betragen laut dem o.g. Gutachten von der A1 bis zur A 39 (40 Km) rund 290 Mio. Euro; für die Stracke A 39 bis zur A 7 - Toppenstedt (18 Km) rund 100 Mio. Euro.
Das Raumordnungsverfahren vom Norden kommend bis Handorf ist bereits abgeschlossen. Dies bestätigt der Verein Naturfreunde Deutschland in einem offenen Brief an den Landrat Bordt.
Landesregierung will die Ostumgehung
Bisher war diese Autobahn im Bundesverkehrswegeplan nicht mit der ersten Prioritätsstufe versehen. Dies soll sich jetzt schnell ändern. Der Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat ganz aktuell im Februar gegenüber dem NDR und der Tagespresse erklärt, dass die A 21 im Bundesverkehrswegeplan in den „Vordringlichen Bedarf“ hochgestuft werden müsse – also in die Kategorie der wichtigsten Vorhaben! Er verspricht sich von der Ostumgehung einen Entwicklungsschub für die gesamte östliche Metropolregion zwischen Hamburg, Lüneburg und Schwerin. Hierüber sind Politiker und Wirtschaft im Osten Hamburgs begeistert. Bereits vor 3 Jahren haben die Industrie- und Handelskammern Hamburg, Lübeck, Lüneburg und Schwerin sowie der ADAC mit einem um-fangreichen Gutachten und Hochglanzbroschüren für die A 21 geworben.
Derzeit gibt es einen verkehrspolitischen Trend für die Ostumgehung Hamburgs, weil die bisher mit Priorität ausgestattete Westumgehung bei Glückstadt in der Realisierung stockt. Zwar hat der Bund grundsätzlich den Bau eines 6,5 Km-langen Tunnels unter der Elbe befürwortet. Die Finanzierung soll über private Investoren erfolgen. Bislang hat sich aber kein privater Investor gefunden. Laut Tagespresse werden die Kosten auf knapp eine Milliarde Euro geschätzt. Die östliche Querung würde mit rund 390 Mio. Euro dagegen erheblich billiger werden.
Im März wollen nach Meldungen in der Tagespresse die Regierungschefs der fünf Küstenländer mit dem Bundesverkehrsminister zusammentreffen, um eine Vorentscheidung über die Prioritäten zu treffen.
A 21 durchschneidet Samtgemeinde Salzhausen
Zwar soll der Bundesverkehrswegeplan erst 2014/2015 fortgeschrieben werden. Die politischen und planerischen Vorbereitungen hierfür laufen schon seit längerem auf Hochtouren. Für uns betroffene Bürgerinnen und Bürger gilt es keine Zeit zu verlieren, wenn wir an dieser Autobahnplanung etwas ändern wollen. Wir sind nicht blauäugig genug, um den Aussagen einiger Planer zu glauben, es handele sich bei der A 21 nur um Zukunftsmusik. Der Bau der A 21 ist eine vor der Tür stehende, konkrete Planung!
Laut uns vorliegenden Informationen ist durch die Trassenführung von der A 39 bei Handorf zur A 7 die Samtgemeinde Salzhausen mit ihren Dörfern direkt betroffen. Das von den Industrie- und Handelskammern in Auftrag gegebene Gutachten sieht die folgenden „Korridore / Varianten“ vor:
- Die Variante 1 führt durch Garstedt und Wulfsen, berührt Tangendorf und soll nördlich von Toppenstedt an die A 7 angebunden werden. Die Gutachter sehen hier die preisgünstigste Variante.
- Die Varianten 2 bis 5 berühren Vierhöfen im Norden, führen durch die Gemeindegebiete Garstedt und Garlstorf bis zur A 7.
- Die Varianten 6 und 7 berühren in Vierhöfen die Wohnbebauung an der Kreisstraße 37 und Gut Schnede, verschwenken dann in Richtung Turniergelände und führen dann südlich von Luhmühlen, Salzhausen und Eyendorf sowie nördlich von Lübberstedt zur A 7 – Anschluss Egestorf.
Sicherlich möchten Sie unsere Auffassung zu der Problematik hören. Wir wollen nicht zu dem Streckenabschnitt von der A 1 mit einer neuen Elbquerung bis zur A 39 Stellung nehmen, da uns hierfür viele Informationen fehlen. Allerdings können wir die Weiterführung der Autobahn bis zur A 7, die die Samtgemeinde Salzhausen durchschneidet, sehr gut beurteilen. Daher sagen wir zu diesem Vorhaben ein klares NEIN! Für diese Autobahn gibt es keinen Bedarf – im Gegenteil, sie ist überflüssig wie ein Kropf.
• Die angestrebte Verbindung zwischen der A 39 und der A 7 ist mit dem Maschener Kreuz bereits vorhanden. Eine Querverbindung zur A 7 bringt die lächerliche Ersparnis von 12 Wegekilometern.
• Der Verkehrsclub Deutschland sagt in einer Mitteilung vom September letzten Jahres hierzu: „Völlig grotesk wirkt der Ruf nach der 21 von Bargteheide bis zur A 7 bei Egestorf“. Das von den IHK in Auftrag gegebene Gutachten sagt selbst: „Durch die nur geringen Zeitersparnisse gegenüber der heutigen Verbindung über das Horster Dreieck hat diese Verlängerung der A 21 eine nur geringe Raumwirksamkeit“.
• Zwischen A 39 und A 7 liegt eine der wenigen noch geschlossenen naturnahen Landschaften. Zu dieser gehört unsere Samtgemeinde. Die A 21 mit ihrem gigantischen Landschaftsverbrauch würde dieses Naturrefugium mit seiner Tier- und Pflanzenwelt erheblich beeinträch-tigen.
• Für uns Bürger bietet die Samtgemeinde mit ihren gewachsenen Dörfern und einer intakten Natur eine gute Lebensqualität. Aber auch dieses Lebensumfeld ist auf Grund des Siedlungsdruckes, des stetig steigenden Verkehrs und der zunehmenden Gewerbeflächen erheblich belastet. Eine Autobahn durch unsere Dörfer und Landschaften ist daher völlig inakzeptabel.
Alle Parteien predigen in Wahlversprechen den Ausgleich von Wirtschafts-zwängen und Umweltschutz. Kommt es jedoch zum Schwur, bleiben Land-schaftsschutz, Natur und Menschen vielfach die Verlierer. Wir halten uns an das Ihnen bei der letzten Gemeinderatswahl gegebene Versprechen, Umwelt und Lebensqualität zu schützen. Wir werden daher alle unsere Möglichkeiten nutzen, diese Autobahn zu verhindern. Hierzu gehört eine fraktionsübergreifende Ablehnung dieses Vorhabens durch den Gemeinderat Vierhöfen und den Samtgemeinderat Salzhausen. Wir werden auf unsere Mandatsträger im Kreistag, im Landtag und im Bundestag entsprechend einwirken. Dies kann aber nur mit der Unterstützung einer deutlichen Mehrheit der Bürger Vierhöfens gelingen. Daher sagen Sie uns bitte Ihre Meinung zu diesem Problem.
Die SPD Vierhöfen wird Sie über die verkehrspolitische Entwicklung der Ostumgehung auf dem Laufenden halten.
Mit freundlichen Grüßen
Kurt Wenzel Eberhard Leopold
Gemeinderat Vierhöfen SPD Vierhöfen
Samtgemeinderat Salzhausen
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